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Der Hausierhandel

Um die Mitte des 19. Jahrhundert gingen in Grönebach bis zu 70% der männlichen Bewohner auf die sogenannte “Masematte”. In anderen Dörfer des Hochsauerlandes dürfte den Anteil der Handelsleute eine ähnliche Größenordnung erreicht haben. Die karge Landwirtschaft reichte nicht aus, um den Lebensunterhalt der überwiegend großen Familien zu gewährleisten. Es war die pure Not, die die Männer zwang, das entbehrungsreiche Leben eines Handelsmanns auf sich zu nehmen, um überwiegend in den Randgebieten des Deutschen Reiches oder gar im Ausland die finanzielle Basis zu schaffen, um die Familien fern der Heimat zu ernähren.

Die Handelsleute waren durchweg nicht beliebt, so dass es bereits im Mittelalter entsprechende Verbote gab. Vor allem die Zünfte, aber auch Landesherren, begründeten die Verbote des Hausierhandels damit:

– dass “die Händler der Verderb des ganzen Landes seien und die guten Sitten verderben würden.

der Hausierhandel gegen die Nationalökonomie verstoße.

die Händler schlechte Ware verkauften.

– der Hausierhandel allgemein der Moralität schade”.

Im Revolutionsjahr 1848 verlangten Abgeordnete der Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt, den Hausierhandel zu verbieten. Um das drohende Verbot abzuwenden, wurde auf Initiative von Pastor (Konstatin) Weber am 1 Oktober 1848 das “Komitee für die Aufrechterhaltung des Hausierhandels” gegründet. Zum Vorsitzender dieses Komitees wurde logischerweise der wort- und schriftgewandte Konstatin Weber aus Grönebach gewählt. Weber verfasste mit der ihn eigenen Akribie eine Denkschrift, in der er darlegte, dass der Hausierhandel für das Hochsauerland lebensnotwendig sei. Für jedes Dorf konnte er mit exakten Zahlen belegen, wie viele Menschen mittel- und unmittelbar vom Handel abhingen. Über viele Jahrzehnte noch blieb der Hausierhandel die Haupteinnahmequelle der Bewohner im oberen Sauerland.

Dies ist eine von viele Erzählungen aus „De Fitterkiste“ Nr. 30, Jahrgang 2021.

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sowie privat über Ewald Stahlschmidt Grönebach